Haushatsrede 2020

UWG-Fraktion Balve Balve, den 04.12.2019

Rede zum Haushalt 2020

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Dame und Herren des Rates,
sehr geehrte Balverinnen und Balver.

Woran merkt der Balver, dass bald Kommunalwahl ist? Richtig, die CDU holt wieder den Schmandsack aus der politischen Mottenkiste! Ich selber erlebe das nun zum vierten Mal. Wenn man dann noch weiß, dass in der Regel alle fünf Jahre eine Kommunalwahl ist, da kann man mal sehen, wie aktuell und wie bewährt so ein Wahlkampfthema Schmandsack eigentlich ist. Dazu aber später mehr.

Zunächst mal ein Blick auf die Eckdaten des Haushaltes. Geplant hatte der Kämmerer mit Aufwendungen von rund 24,9 Millionen und Erträgen von 24,5 Millionen, was im Ergebnis ein Plus von 28.000 € bedeutet hätte. In den einzelnen Ausschüssen wurden dann durch die CDU wesentliche Investitionen und Ausgaben verändert, so dass unser Haushalt jetzt sogar bei über 25 Millionen Euro liegt. Die höchsten Ausgaben aller Zeiten hier in Balve. Zum Vergleich: im Jahre 2018, also letztes Jahr, lagen wir noch bei gut 22,7 Millionen €, also 2,4 Millionen € weniger als jetzt für 2020 geplant. Das ist in einem Jahr eine Haushaltssteigerung von deutlich mehr als 10% und das bei sinkender Bevölkerung!
Aber das sollte nun wirklich keinen stutzig machen, so sagen jedenfalls die für diesen Haushalt verantwortlichen Menschen.
Dann lassen Sie uns doch einmal gemeinsam genauer hinschauen.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Kassenkredite im kommenden Jahr um 400.000 € und im darauffolgenden Jahr um noch einmal mehr als 600.000 € steigen. Kurz gesagt, wir überziehen den Dispo unseres städtischen Kontos einschließlich des Jahres 2021mal eben um sage und schreibe mehr als 1 Million €. Haushaltsrechtlich muss das jedoch nicht berücksichtigt werden, so dass das Jahresergebnis dadurch nicht verändert wird. Kein Wunder, dass so ein Haushalt dann schnell ins Plus gerechnet ist! Schließlich muss man dem geneigten Bürger in einem Wahljahr schließlich darstellen, dass man vernünftig mit Steuergeld umgehen kann.

Es ist ziemlich genau fünf Jahre her, wir erinnern uns, 2014 war genauso wie 2020 ein Wahljahr, als plötzlich 1,6 Millionen € an Gewerbesteuern fehlten. In der Folge gab es dann viele Erklärungen, warum das alles nicht vorhersehbar war und wie schwierig es im Allgemeinen ist, überhaupt so einen Haushalt aufzustellen. Ich glaube natürlich den Erklärungen von damals, aber genauso bin ich heute fest davon überzeugt, dass nach dem Wahltag am 13. September 2020, dieser Haushalt, genauso wenig wie der 2014er Haushalt, im Plus sein wird. Nur ,dann ist es zu spät, und die Wähler haben sich mal wieder durch Versprechungen verführen lassen.

Schauen wir uns jetzt mal die Personalaufwendungen an.
Lagen diese im letzten Jahr noch bei 4 Millionen €, so werden sie planmäßig bereits in drei Jahren bei 4,837 Millionen € sein. Eine Steigerung um mehr als 800.000 €, das sind mehr als 20%! Wie kommt das?
Infolge der Flüchtlingskrise von 2015 war es selbstverständlich erforderlich, Hausmeister für die Unterkünfte und Sozialarbeiter für die Betreuung der Flüchtlinge einzustellen. Aber in der allgemeinen Verwaltung blieb dann auch die eine und die andere Stelle hängen, die nicht unmittelbar etwas damit zu tun hatte.
Dazu kommt noch, dass der Bürgermeister Aufgaben, die früher zum Teil von ehrenamtlichen Kräften erledigt wurden, wie z.B. im Tourismusbereich, Zug um Zug ins Rathaus verlagert hat, und dazu weiteres Personal eingestellt hat.

Was aber bedenklich ist, ist das sogenannte Outsourcing von städtischen Aufgaben, also das Erledigen von städtischen Aufgaben durch Personen und Organisationen außerhalb der Stadtverwaltung. Und diese Ausgaben tauchen dann nicht im Stellenplan, sondern nur im allgemeinen Haushalt auf.

Dazu einige Beispiele:
Die ehemalige Außendienstkraft des Ordnungsamtes, manche sagen dazu Politesse, erledigt jetzt andere Aufgaben im Rathaus. Kann sie nichts zu, aber dafür wurde dann eine neue sogenannte Politesse eingestellt. Macht pro Jahr 22.700 €.
Weil man Probleme von und an den Flüchtlingsunterkünften befürchtete, wurde ein Sicherheitsdienst beauftragt. Jährliche Kosten: 14.500 €. Es sind zwar kaum noch Flüchtlinge in Sammelunterkünften untergebracht, aber der Sicherheitsdienst bekommt immer noch sein Geld.
Weil es umfangreiche Beschwerden an den Schulen über Vandalismus und Lärmbelästigung gab, wurde auch hier ein Sicherheitsdienst beauftragt. Die Beschwerden gibt es nach wie vor, aber der Sicherheitsdienst kostet 8050 € pro Jahr.

Gemeinsam gehen wir jetzt mal zurück ins Jahr 2008. Vielleicht kann sich jemand noch an die Zeit der Anträge zu den Kunstrasenplätzen erinnern? Beim Sportplatz am Holloh in Garbeck war die Drainage kaputt, der Krumpaul war für den Schulsport wichtig und was man der SG Balve/Garbeck genehmigt, kann man dem TuS Langenholthausen nicht verwehren. Eisborn ging dann leider leer aus.
Ich will heute noch einmal an die Rechnung der Verwaltung erinnern, auf die insbesondere der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU immer hingewiesen hat: Mit dem Zuschuss von immerhin 150.000 € pro Kunstrasenplatz geht die komplette Verantwortung für den Unterhalt der Sportstätten an die Vereine über. Die Stadt braucht sich um nichts mehr zu kümmern!
Ich weiß noch wie gerechnet wurde, wie viele Personalstunden für Grünpflege dadurch eingespart werden sollten.
Wer heute, oder auch letztes Jahr in den Wirtschaftsplan des Bauhofes schaut, reibt sich verwundert die Augen. Da findet man unter Fremdleistungen Grünpflege 30.000 €. Gar nichts ist besser und billiger geworden, im Gegenteil, wir geben noch 30.000 € zusätzlich pro Jahr aus.

Nächstes Beispiel. Bis vor einigen Jahren war es üblich, das städtische Aufgaben, die außerhalb der allgemeinen Bürodienstzeit anfielen, auch gegen Vergütung von städtischen Mitarbeitern erledigt wurden. Tatsächlich aber wurden immer weniger Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu diesen Aufgaben herangezogen, so dass die übrig Gebliebenen sich schließlich auch weigerten. Auch der Bürgermeister hatte , wie er selber sagte, keine Lust mehr dazu.
In der Regel handelt es sich dabei um Aufgaben, wo die sogenannte Aushilfszuständigkeit der Polizei nicht greift, da es sich um ausschließlich originäre Aufgaben der Ordnungsbehörde, hier der Stadtverwaltung handelt. Das sind dann z.B. Maßnahmen nach dem PsychKG, wie die einstweilige Unterbringung von psychisch Kranken in einer geschlossenen Anstalt, oder die Unterbringung von z.B. obdachlos gewordenen Familien nach einem Brand. Wie Sie schon richtig ahnen, kommt so etwas nicht allzu häufig vor.
Letztes Jahr waren dies 17 Einätze und dieses Jahr ganze 20 Einsätze. Kosten lassen wir uns diesen, von der Stadt Hemer durchgeführten Bereitschaftsdienst, allerdings mit 40.000 € pro Jahr! Also pro Einsatz mehr als 2000 €. Wenn Sie das in Stunden umrechnen, für eine Einweisung nach PsychKG benötigen sie inkl. Hin- und Rückfahrt gut drei Stunden, dann kommen sie auf einen Stundenlohn von ca. 700 €. Nicht schlecht, wie ich finde!

Wie Sie wissen, liegen auch heute wieder Anträge der Schulen auf personelle Unterstützung vor. Einerseits benötigen die Grundschulen einen sogenannten Second-level-Support für ihre IT-Infrastruktur, und die Realschule mehr Manpower, oder besser Girl- oder Womanpower bei der Schulsozialarbeit.
Um es klar zu sagen, diese beiden Anträge unterstützen wir!

Alles Andere was ich vorher beschrieben habe ist rausgeworfenes Geld. Das kann man auch anders organisieren und vor Allem weitaus günstiger. Wenn man alleine diese eben aufgeführten, versteckten Personalkosten zusammenrechnet, kommt man auf weit über 100.000 €, pro Jahr! Und dazu müssen sie dann noch die Personalsteigerungen im Stellenplan von mehr als 800.000 € bis 2023 addieren. Dann sind sie schnell bei 1 Million € Mehrkosten, jährlich!!!! Und die anderen eben genannten Personaleinstellungen sind noch nicht einmal dabei! Ich warte wieder auf den Besuch der Gemeindeprüfungsanstalt, die wie beim letzten Mal uns dann schwarz auf weiß gibt, dass wir im Vergleich mit anderen Städten, zu viel Personal haben.

Nun ein Blick zu den Investitionen. Sicherlich ist mein Vorredner nicht müde geworden zu erwähnen, wie rekordverdächtig die Investitionen sind, welche Wohltaten aus dem Füllhorn des Glückes über Balve ausgeschüttet werden sollen. Das wundert natürlich keinen, nächstes Jahr wird schließlich gewählt.
Viel wichtiger ist jedoch, was er garantiert nicht gesagt hat. Betrachten wir das mal aus dem Blickwinkel der CDU. Sie müssen jedem Ortsteil aufzeigen, welch tolles Projekt man dieser Partei zu verdanken hat. Auf das man sie dann schließlich wieder wähle! Koste es, was es wolle! Ich sage es noch einmal, dieses Jahr kommt es auf die Kosten überhaupt nicht an. Für die wird sich dann nach der Wahl garantiert wieder entschuldigt.

Starten wir mit Garbeck.

Da ist einmal die Neue Mitte Garbeck. Vor drei Jahren sollte sie eigentlich schon kommen, aber bei der Beantragung der Zuschüsse gab es plötzlich Probleme. Letztlich soll dann nächstes Jahr gebaut werden, aber leider wird sie 250.000 € teurer, was auch kein Pappenstiel für Balve ist. Wenn der Bagger einmal da ist, sind die höheren Kosten und die Verspätung schließlich schnell vergessen.
Begonnen wird in Garbeck schließlich auch mit den Planungen für den Grunderwerb und den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses. Aber bitte nicht ganz so schnell, denn schließlich warten die Feuerwehrkameraden in Volkringhausen und Beckum schon seit Jahren auf ihr neues Gerätehaus. Dieses war denen schließlich schon vor der letzten Wahl versprochen worden und sie haben somit ältere Rechte.
Aber eigentlich eilt es in Garbeck dann wiederum doch, denn die Kinderbetreuung der Grundschule platzt in Garbeck aus allen Nähten, und die Gebäude der Feuerwehr sind dafür sehr willkommen.
Apropos Kinderbetreuung: Der Märkische Kreis ist, was die Betreuungsquote angeht, einer der schlechtesten im Land NRW, und Balve ist innerhalb des Märkischen Kreises das Schlusslicht. Warum ist das eigentlich so. Wer hat da eigentlich jahrelang etwas verpennt?
Weiter geht es mit dem Flüchtlingsheim in Garbeck. Das Haus ist menschenunwürdig. Punkt! Ich bin mir sicher, dass sieht hier keiner anders. Wir können es uns noch so oft ansehen, besser wird es davon aber nicht.
Das einzige Problem ist, dass die Abrisskosten von 70000 € einem ausgeglichenen Haushalt im Wege stehen. Wenn die Rechnung für die Abrissbirne kommt, ist der Haushalt im Minus. Also wird das Geld gesperrt, was garantiert spätestens nach dem 13. September, das ist der Tag der Kommunalwahl, wieder entsperrt wird, denn schließlich steht die Bruchbude dem Verkauf von Gewerbeflächen an der gleichen Stelle im Weg.
Und bei Gewerbeflächen sind wir beim nächsten ungelösten Problem. Die städtischen Grundstücke der Erweiterung vom Braukessiepen sind alle verkauft und die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer der angrenzenden Fläche sind, obwohl seit etlichen Jahren verhandelt wird, erfolglos verlaufen. Und wenn die CDU weiterhin so dickköpfig bleibt, wird dies noch lange so bleiben, und unser Gewerbesteueraufkommen wird weiterhin abgehängt hinter vergleichbaren Kommunen stagnieren. Und da das Gelände um das Flüchtlingsheim letztlich die einzigen Gewerbeflächen sind, wird der Abriss und der anschließende Verkauf natürlich so kommen, denn Gewerbeflächen heißt auch Gewerbesteuereinnahmen.

Nun zu Beckum.

Der neue Kindergarten kann sich sehen lassen. Vor allem schulden wir Dank der Beckumer Kirchengemeinde und den örtlichen Akteuren. Zeitlich war die Eröffnung eine Punktlandung, aber dafür sind die Kosten erheblich aus dem Ruder gelaufen. Ist aber auch schon wieder vergessen.
Dafür lockt jetzt die Aussicht auf ein neues Gerätehaus. Diese Aussicht lockt jetzt schon seit einigen Jahren und wird noch weiter locken, denn erst einmal muss Straßen NRW seine Hausaufgaben an der B 229n bzw. am neuen Kreisverkehr machen.

Mellen hat ein wahrlich schmuckes Feuerwehrgerätehaus bekommen. Sogar der kleine Stadtpark am Teich hinter dem Gerätehaus wurde nach hinten verschoben und erhalten. Das es mit dem Babywald nicht rechtzeitig geklappt hat, davon wollen wir jetzt mal nicht reden.

In Langenholthausen wird zufällig pünktlich zum Wahljahr die SoKoLaDe eröffnet. Dort kann man sich dann bei der Eröffnung als Retter präsentieren. Vergessen ist natürlich, wer die damals beste Grundschule in Balve geschlossen hat.

Der kleine Park in Volkringhausen an der Hönne ist wirklich gelungen. Und hier muss ich mal widersprechen. Es war nicht der Wunsch des Bürgermeisters und es ist auch nicht der Park des Bürgermeisters, wie allgemein gemunkelt wird, sondern der Wunsch der Volkringhauser Dorfversammlung. Und diesem Willen ist, wie auch in den anderen Ortsteilen, die Verwaltung gefolgt. Allerdings werden die Volkringhauser Kameraden, genauso wie ihre Nachbahrwehr aus Beckum noch eine Weile auf das schon lange versprochene Gerätehaus warten müssen.

In Eisborn wurde der Park um die Schützenhalle neugestaltet. Der zweite Bauabschnitt, obwohl versprochen und geplant, ist leider dem Rotstift zum Opfer gefallen. Hat aber keiner gemerkt und ist bestimmt auch schon wieder vergessen.
Aber Eisborn hat gerade andere Probleme. Und dabei wird es spannend sein zu beobachten, wie sich wesentliche Akteure der Balver CDU zu den Erweiterungsplänen von LHOIST positionieren. Im Interesse der überwiegenden Mehrheit der Eisborner würde es mich freuen, wenn es dazu frühzeitige Signale geben würde!

Kommen wir nun zum Ortsteil Balve.
Viel zu spät wird endlich mit der Renovierung der naturwissenschaftlichen Räume in der Realschule begonnen. Wie bekannt, hatte sich die CDU damals vehement für eine Sekundarschule eingesetzt, die schließlich krachend gescheitert ist. Mich beschleicht dabei auch heute immer noch das Gefühl, dass das Verhältnis zur Realschule keine wirkliche Liebesheirat ist. Wie sonst lässt sich sonst ein derartiger Renovierungsstau erklären?
Und um bei den Schulen zu bleiben, auf dem Gelände der demnächst ehemaligen Hauptschule ergeben sich Perspektiven. Ich hoffe, dass nach der Wahl, nicht wie jetzt, eine Partei alleine darüber bestimmt!
Wie ich bereits zu Anfang erwähnt hatte, wurde der Schmandsack mal wieder aus der Wahlkampfmottenkiste geholt.
Einerseits soll er suggerieren, dass man sich um Baugebiete kümmert. Wer’s zum vierten Male glaubt, wird nicht selig sondern der ist naiv!
Nein, den Schmandsack benötigt man, um den Haushalt zu schönen.
Am Schmandsack befinden sich nämlich überhaupt keine baureifen Grundstücke geschweige denn, dass dort etwas Baureifes verkauft werden kann. Solange der Verbleib des Regenwassers, konkret der Bau eines Regenrückhaltebeckens, nicht geklärt ist, solange passiert dort aber auch gar nichts!
Und es ist im höchsten Maße unseriös, für das Jahr 2020, alleine 300.000 € für den Verkauf von Grundstücken einzuplanen. Zusammen mit den geplanten Erschließungsbeiträgen von 400.000 € ergibt dies Einnahmen von 700.000 €, denen Erschließungskosten von 550.000 € entgegenstehen, also mithin ein Plus von 150.000 € im Haushalt!
Stellen sie sich eigentlich auch die logische Frage, von wem die Erschließungsbeiträge denn eigentlich kommen sollen, obwohl noch nicht ein einziges Grundstück verkauft worden ist?
Aber diese 150.000 € sollen zusammen mit den 70.000 € vom Nichtabriss des Flüchtlingsheimes und der Kontoüberziehung (genannt Kassenkredite) von 400.000 € für einen scheinbar ausgeglichenen Haushalt sorgen!
Tatsächlich fehlen uns mindestens 600.000 € im Haushalt.
Aber es ist ja Wahljahr, und da darf so etwas einfach nicht sein.

Fragt sich aber, wofür soll denn eigentlich das ganze Geld ausgegeben werden!

Ohne Rücksicht auf Verluste soll jetzt auch die Garbecker Straße ausgebaut werden. Nachdem ja der Ausbau der Dreikönigsgasse ein echtes Erfolgsmodell war geht es jetzt an die nächste Straße. Ich will nicht missverstanden werden: Wir sind nicht gegen einen Ausbau! Wir sind aber sehr wohl gegen einen Ausbau zum jetzigen Zeitpunkt!
Die Finanzierung der Straßen erfolgt zur Zeit nach altem Recht. Dabei bezahlen die Anlieger bei einer sogenannten nachmaligen Herstellung in der Regel 80% der Kosten, die Stadt die restlichen 20%. Die Landesregierung hat zwar eine Änderung des KAG in den Landtag eingebracht, aber ob dem zugestimmt wird, ist bei einer Stimme Mehrheit von Schwarz/Gelb sehr fraglich. Und letztlich wäre es nur eine halbseidene Lösung, denn danach sollen die anliegenden Eigentümer weiterhin mit der Hälfte der Kosten belastet werden.
Nein, es muss wie für alle anderen Straßen gelten: Infrastruktur wird, mit Ausnahme der Ersterschließung durch die Allgemeinheit, nämlich durch Steuereinnahmen finanziert. Die Gemeindestraßen sind die einzigen Straßen, wo dies noch nicht geschieht. Viele andere Bundesländer haben aus Einsicht ihre Gesetze schon angepasst. Warum eigentlich NRW nicht? Und bis das soweit ist, sollten wir gefälligst abwarten. Nur so können die Menschen überhaupt Vertrauen in Verwaltung und Politik haben. Oder was sagen Sie den Menschen, auf die Frage, wie teuer wird das jetzt für mich? Da können sie heute nur ratlos mit den Achseln zucken.

Ich habe mir von der Verwaltung eine Liste über das Anlagevermögen bzw. die Abschreibungen auf die Gemeindestraßen in Balve kommen lassen. Aus dieser Liste lässt sich ersehen, wie abgenutzt eine Straße ist und wie lange die prognostizierte Nutzungsdauer noch geht.
Ich bin bei der Bewertung vorsichtig, aber es existieren laut Liste einige Straßenteile in der gesamten Stadt Balve, die eine Restlaufzeit von lediglich einem Jahr noch haben. Nach Lesart der Tabelle müssten diese Straßen dringend und kurzfristig nachmalig wiederhergestellt werden. Die meisten schlechten Straßen befinden sich nicht nur gefühlt, sondern auch nach Bewertung des Anlagevermögens, übrigens im Ortsteil Garbeck.

Die Garbecker Straße wiederum, die im nächsten Jahr nach Willen des Bürgermeisters, von CDU und vermutlich auch SPD, gemäß dem städtebaulichen Konzept der Balver Innenstadt ausgebaut werden soll, gehört übrigens nicht zu diesen desolaten Straßen! Die schlechtesten Straßenteile der Garbecker Straße haben danach noch eine Restlaufzeit von mindestens 20 Jahren. Warum soll die Garbecker Straße dann eigentlich ausgebaut werden? Was gibt es da eigentlich für einen Grund?

Jetzt mal ein paar gute Nachrichten: Passend zum Wahljahr wird der Radweg zur Höhle und das Haus Mines fertiggestellt.
Dann ist ja Alles gut! Das Wahljahr kann kommen!

Halt, eins fehlt noch. Es wird nicht nur der Rat, sondern auch der Bürgermeister wird neu gewählt.

Dazu wird man dann auf der Homepage der Stadt Balve fündig.
Wer die Homepage der Stadt Balve besucht, dem fällt auf, dass die Stadtverwaltung im Wahljahr zum Partyveranstalter mutieren wird. Jede Menge Coverbands und Künstler in jedem Ortsteil, alle Veranstaltungen bis auf Eine natürlich vor dem Wahltermin. Wann hat es das je gegeben? Bis jetzt haben wir uns immer mit dem Festspielverein Balver Höhle auseinandersetzen müssen, damit dieser Verein für die Stadt Balve das Kulturprogramm durchführt.

Das Zauberwort hier heißt 365 Tage Heimat. Ich nenne es mal 365 Tage Wahlkampf!

Zitat:
Insgesamt sechs besondere Motto-Veranstaltungen finden rund ums Jahr jeweils in einem der Balver Dörfer statt, das Dank der Heimatförderung NRW und der vielen Projektunterstützer umgesetzt werden kann.

Los geht’s am 30.01.2020 in Garbeck. Nach einem Warm-Up mit Hettwich von Himmelsberg spielt die Band Entspannungsminister auf. Bei Cocktails und stimmungsvoller DJ-Musik darf sich das Publikum auf die ein oder andere Überraschung freuen.

27.02.2020 Comedy in LA
Am 27.02.2020 lautet das Motto „Comedy in LA“. Viel zu lachen gibt es dann mit den „Bullemännern“ in Langenholthausen. Mit ihrem Kabarett-Programm „Muffensausen“ sorgen die beiden Komiker Augustin Upmann und Heinz Weißenberg aus Westfalen gemeinsam mit ihrer ukrainischen „Tastenfachkraft“ (Pianistin) Svetlana Svoroba für jede Menge Spaß und noch mehr Lachfalten. In der Programmbeschreibung heißt es: „Muffensausen ist die Gesichtskirmes in Suchtdrup am Wörtersee – musikalisch, poetisch, politisch, philosophisch und bekloppt – pure Vernunft ist schließlich keine reine Freude, und Durst wird durch Bier erst schön.“

26.03.2020 Tanztee mit Hettwich von Himmelsberg in Eisborn
Weiter geht es mit dem „Tanztee mit Hettwich vom Himmelsberg“. Dabei darf und sollte natürlich auch getanzt werden – egal ob Standard, Walzer, Tango oder Disco-Fox. Für die passende Musik sorgen dabei verschiedene DJs im Saal. Wer es lieber gemächlich mag, kann sich aber auch an die „Likörchenbar“ zurückziehen oder ein paar Schnittchen genießen. Dabei ist beste Unterhaltung garantiert. Denn das Motto der gebürtigen Ostwestfälin Hettwich vom Himmelsberg, die nur wegen „des Elends der Eheschließung“ mit Ihrem Siechfried im Südsauerland gelandet ist, lautet: „Augen auf, Nase im Wind, dann weiß ich die Sachen noch bevor sie passiert sind.“

18.06.2020 Volkringhausen Rockt – Open Air
Bei BRONKOBEAT kommen die Rockfans auf ihre Kosten, die von einer Coverband nicht zum einhunderttausendsten Mal “Summer of 69” oder “Smoke on the water” erwarten.
Bei BRONKOBEAT ist das etwas anders, denn sie bewegen sich abseits des Coverrock-Mainstreams und greifen eher die Songs auf, die zwar jeder irgendwie kennt, die aber nicht überspielt sind und beim Publikum meistens diese Reaktion hervorrufen: “Geil! Das gab´s ja auch mal!” BRONKOBEAT spielen u.a. Songs von Tom Robinson, John Mellencamp oder Fisher Z, Songs von Tom Petty, Thin Lizzy und Whitesnake, Foofighters und vieles mehr.
Mit ihren Erfahrungen aus jeder Menge Auftritte in der Vergangenheit auch in lokal bekannten Bands wie „Die Juhnkes“, „B.Loud”, „Immecke Allstars“, „Southern Sound Corporation”, „Mash” oder „Kabelbrand”, sollte das für die BRONKOBEAT-Musiker kein Problem darstellen.

02.07.2020 Mellen karibisch – Open Air
Karibisch wird es dann am 02.07.2020 in Mellen. Die Projektband „Havanna con Klasse“ rund um den kubanischen Musiker Rody Reyes heizt bei diesem Open-Air-Konzert mit karibischen Klängen ein und bringt ein Stück Kuba nach Balve. Dabei kann das Publikum die kubanische Lebensfreude und Lebendigkeit live erleben. Das Repertoire der erfahrenen Musiker reicht vom traditionellen Son über Salsa und Merengue bis hin zu Bachata und Regueton. Für ein richtiges Karibikfeeling dürfen dabei natürlich auch Sand, Palmen und eine Cocktailbar nicht fehlen.

10.12.2020 Chill Out in Beckum
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet „Balve – Chill out“ in Beckum am 10.12.2020.

Auf allen Veranstaltungen tritt höchstwahrscheinlich der Bürgermeister und Dorfvorsteher auf, mit Eröffnungsrede und den obligatorischen Hinweisen wie wichtig Heimat ist. So etwas können sich andere Parteien natürlich nicht leisten.

Ich merke, es ist hier deutlich leiser geworden im Ratssaal! Und ich bin mir sicher, ich bin nicht der Einzige der sich fragt: Was hat DAS mit Heimat zu tun? Mit wessen Heimat? Ist das etwa identitätsstiftend für die Menschen in Balve um zu sagen wir sind Balver, wir sind Sauerländer und was weiß ich noch! Wo ist die gemeinsame Klammer?
Sicher, unter dem Vorwand, es kommt Geld in die Dorfkasse, kann ich jeden Stempel, sogar den der HEIMAT, aufdrücken.
Aber in Wahrheit geht es ausschließlich um positive Publicity für den Bürgermeister und die Dorfvorsteher. Deswegen wird es ja schließlich auch von der Stadtverwaltung organisiert!
Dabei ist der finanzielle Eigenanteil aus Balve noch gering, aber zusammen mit den Zuschüssen des Landes macht das deutlich mehr als die Hälfte der Kosten dieses Heimatprojektes aus.
Nicht, dass ich den Menschen die Party nicht gönne. Im Gegenteil! Aber für so etwas geben wir Steuergelder aus? Die uns woanders fehlen, für Straßen, für Bildung, für Kultur, für Brandschutz und vieles mehr!

Das ist aber noch nicht alles. Passend zum Wahljahr natürlich, wird der Balver Film präsentiert. Finanziert über das Stadtmarketing und Sponsoren. Das ist o.k. so und es gibt auch keine Kritik von uns dazu, wenngleich bekannt ist, dass der Bürgermeister der Aufsichtsratsvorsitzende des Stadtmarketings ist.
Inhaltlich zeigt der Film etwas über Balve, aber viel über den Bürgermeister. So etwas nennt man dann eigentlich eine Homestory oder Personality-Show. Der Film ist in der Tat gut gemacht, aber leider vor allem Wahlwerbung!

Wie immer kommt das Beste zum Schluss. Am 12.September 2020 ist das Balver Stadtfest, am 13. September 2020 die Kommunalwahl.
Fällt Ihnen etwas auf? Genau, die letzte Möglichkeit, sich noch einmal so richtig zu präsentieren.
Ansatz für das Stadtfest 2019: 9500 €
Ansatz für das Stadtfest 2020: 35000 €
Ansatz für das Stadtfest 2021: 9500 €

Angeblich, um die Städtepartnerschaft mit Heerde mal so richtig zu feiern und eine besondere Heimatveranstaltung für den Ortsteil Balve soll auch noch mit dabei sein.
Ist klar! Dann lasst es mal so richtig krachen. Ist ja nur Steuergeld und dient schließlich einem guten Zweck!

Nebenbei bemerkt, wurde auch bisher das Stadtfest von einem Arbeitskreis gestaltet, allerdings wurden diese verdienten Mitarbeiter für nächstes Jahr ausgebootet und die Regie für das Stadtfest findet nun ausschließlich im Rathaus statt. Man darf bei soviel Geld schließlich nichts dem Zufall überlassen!

Alles das zusammen ist immer noch lange kein Skandälchen, aber es hat halt ein Geschmäckle. Daher werden wir bei jeder Veranstaltung, die unter dem Vorwand stattfindet, Heimat zu gestalten aber einer Personality-Show und Wahlwerbesendung gleicht, unsere Kritik äußern, und es bedarf gerade hier besonders einer Presse, die diese Kritik auch transportiert. Nur heute darüber zu berichten und danach wieder zu vergessen, gerade darauf verlassen sich hier Einige!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kollegin und Kollegen, nehmen Sie es mir und uns nicht übel, es ist nicht persönlich gemeint. Aber von diesem Haushalt halten wir gar nichts! Es ist einer der Schlechtesten, den ich in fast 16 Jahren im Rat erlebt habe. Und ich prophezeie schon jetzt, dass wir nächstes Jahr um die gleiche Zeit tief in den Miesen stecken werden!

Zum Schluss möchte ich mich an dieser Stelle für die überwiegend konstruktive Zusammenarbeit hier im Rat bedanken.
Zu guter Letzt geht mein Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung für ihre geleistete Arbeit im abgelaufenen Jahr. Wir sagen Danke für die gute Beratung, Vorbereitung und Umsetzung der Beschlüsse des Rates und der Ausschüsse. Ihnen Allen hier im Saal wünsche ich eine gesegnete Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Lorenz Schnadt
UWG-Fraktion Balve